Imaginäre Friedenstaube flattert

21.08.2009

Sonntags-Derby FCS gegen Lok: Heute startet groß angelegte Fairplay-Kampagne

Leipzig. Sachsen Leipzig und Lok Leipzig lassen eine imaginäre Friedenstaube überm Zentralstadion flattern - so viel Nähe und Verantwortungsgefühl gab's vorm früheren Hassduell noch nie! „Gemeinsam für Respekt und Fairplay auf dem Rasen - auf den Rängen", ist eine XXL-Plakat-Kampagne überschrieben, gestern wurde in der WM-Arena der korrespondierende Videospot zur hoffentlich neuen Qualität des Leipziger Derbys (Sonntag, 14 Uhr) abgedreht. Im Mittelpunkt des zweiminütigen Streifens stehen die Kapitäne Kevin Kittler (FCS) und Torsten Jülich (Lok). Die schmachten sich an und schmettern den einprägsamen Slogan der Kampagne in den Spielertunnel.

Geistiger Vater der Aufsehen erregenden Aktion ist die Agentur Sportsales, die neuerdings Partner des 1. FC Lok in Sachen Sponsoring und Öffentlichkeitsarbeit ist. „Klasse Idee", schwärmt Lok-Chef Steffen Kubald, „hoffentlich bewirkt es etwas. Wir wollen am Sonntag und danach nur über Fußball reden." Lars Ziegenhorn, Vorstandssprecher des FC Sachsen, ist ebenfalls entflammt. „Das Verhältnis zwischen Lok und uns ist auf Vorstandsebene und unter den Spielern gut. Das wollen wir mit der Kampagne dokumentieren." Auf dass sich Heerscharen von Fans aus beiden Lagern um den Hals fallen. Die Trainer begrüßen das Sportsales-Baby ausdrücklich, Sachsen-Coach Dirk Heyne spricht gar von einer historischen Chance für den Leipziger Fußball. „Es werden wieder viele nach Leipzig schauen, einige werden auf Krawall warten. Es wäre doch wunderbar, wenn wir ein rassiges Derby sehen, eine super Stimmung haben - und sonst alles ruhig bleibt."
Wie viele Menschen ins Zentralstadion strömen, ist auch eine Frage der Ehre. Lok-Kubald ist sich sicher, dass sein Verein mehr Fans als die Gastgeber mobilisieren wird, spricht von 7000 bis 8000 Blau-Gelben, glaubt an insgesamt maximal 12 000 Zuschauer. Nach dieser Arithmetik wird der FC Sachsen schlappe 4000 bis 5000 Grün-Weiße beisteuern. FCS-Ziegenhorn will sich nicht festlegen, würde Kubald aber sicher gerne widerlegen. Übrigens wirft auch schon das Leutzscher Pokalspiel gegen RB Leipzig lange Schatten. Der ursprüngliche Termin (5. September, Kunze-Sportpark) wackelt, weil die Polizei da anderweitig im Einsatz ist. Nun wird der 6. September favorisiert. Ins Zentralstadion wollen die chronisch klammen Gastgeber partout nicht umziehen. Die Miete pro Spiel verschlingt knappe 50 000 Euro.

Während der 1. FC Lok seine Personal-Aktivitäten wohl beendet hat, suchen die Sachsen mit Hochdruck nach einem Stürmer. Beim gestrigen Test bei Stadtligist Motor Gohlis-Nord spielten Tobias Bukowski (zuletzt Unterhaching) und Daniel dos Santos (Goslar) vor. Der FCS gewann durch ein Tor von Norman Lee Gandaa 1:0, kickte aber so schlecht, dass Trainer Dirk Heyne den geplanten freien Tag strich.

Morgen wird Keeper Daniel Lippmann an der linken Schulter operiert, die Pause beträgt bis zu sechs Monate. Heyne hat noch Hoffnung auf schnellere Genesung. „Vielleicht machen die die Schulter auf, gucken rein - und machen wieder zu. Wenn aber operiert werden muss, beißen wir eben in diesen sauren Apfel." Guido Schäfer
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